In jeder
Lebenslage
denkt an Gott

Die Meisterin sagt

 

Von der Höchsten Meisterin Ching Hai,
22. Oktober 2006, Paris, Frankreich (Ursprünglich auf Englisch und Französisch) 

Wir müssen immer auf Empfang geschaltet sein; sonst wisst ihr nicht, wo ihr steht, noch was ihr in diesem Leben oder nach diesem Leben tun sollt. Es gibt keine Entschuldigung. Wir leben einzig und allein dafür, dass wir mit Gott Kontakt aufnehmen: Das ist das Wichtigste. Wir arbeiten, wir essen, wir schlafen, aber das sind die zweitwichtigsten Dinge. Denn wenn ihr noch nicht stark seid, müsst ihr noch arbeiten, essen und den Lebensunterhalt verdienen; aber das ist nicht das Wichtigste im Leben. Das Wichtigste ist, für die Meditation zu leben. Meditation heißt Gebet; das ist das Gleiche. Wenn wir nicht wissen, wie wir meditieren sollen, dann beten wir. Es ist das Gleiche. Nachdem der Meister wie z.B. Buddha oder Jesus in den Himmel gegangen war, wußten die Menschen nicht, wie sie meditieren sollten, also beteten sie. Wir aber beten richtig, und das bedeutet Meditation. Das ist die beste Art und Weise zu beten. Wenn wir nicht so beten, dann können wir unseren Gott, unser Selbst nicht erkennen. Dann sind wir verloren. Ihr könntet viel Geld verdienen, viele Kinder haben oder viel Couscous essen, aber das ist nutzlos. Wenn ihr gestorben seid, ist Schluss damit! All der Couscous, all die Kinder und all die Frauen bedeuten nichts. Sie sind euch keine Hilfe, wenn ihr geht, wenn ihr diesen Planeten verlasst oder auch in diesem Leben – überhaupt nicht. Das ist das Grundlegendste, ich sage es immer wieder, und ihr versteht es nicht.

Aber ihr müsst meditieren; das ist das Wichtigste im Leben. Es ist wichtiger als irgendetwas anderes in eurem Leben. Sonst schafft ihr es nicht. Ihr glaubt, ihr verharrt eine oder zwei Stunden und ihr lauscht einem Ton, im Inneren oder von außen - (die Meisterin scherzt) je nach dem, wie tief ihr schlaft - aber das ist nicht genug! Deshalb könnte es sein, dass ihr, sogar wenn ich euch zur Fünften Ebene hinaufnehme, sofort wieder herunterfallt, fast schneller, als ihr hochgestiegen seid. Wenn unser Herz ganz einfach zielgerichtet und zielstrebig ist, dann kommen wir ganz schnell auf die Fünfte Ebene. Aber wenn unser Herz zerstreut ist, d.h. wenn unser Denken zerstreut ist, dann fallen wir - schwupp! - wieder herunter.

Deshalb sagte Jesus: "Wenn ihr nicht wieder werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Königreich Gottes eintreten." Es ist sehr schwierig, den Verstand unter Kontrolle zu halten, schwieriger als hundert Elefanten. Wenn ihr einen kleinen Lichtblitz seht oder einen leisen Ton hört, dann glaubt ihr, das reicht. Aber so ist es nicht. Nein, denn ihr seid immer noch hier, ihr spürt es noch - ihr spürt noch die Außenwelt und ihr fühlt euch noch gut - ein bisschen hier, ein bisschen da - und ihr wisst es. Das ist es nicht. Wenn ihr den Klang wirklich hört, dann werdet ihr schneller als ein UFO oder eine Rakete zum Mond hinaufgezogen! Und es gibt nichts auf dieser Welt, was euch ablenken kann, nichts auf dieser Welt, was ihr begehrt. Ihr würdet sogar euer Leben hingeben; sogar wenn irgend jemand käme und euch töten wollte, dann würdet ihr in dem Augenblick sagen: "Bitte sehr, nur zu." Ihr könnt euch nichts mehr vorstellen, was ihr euch wirklich in dieser Welt wünscht: überhaupt nichts. Dann meditiert ihr wirklich. Dann müsst ihr nur noch praktizieren, praktizieren, praktizieren.

Um spirituell weiterzukommen, müssen wir selbst tätig werden

Deshalb sage ich: "Bitte praktiziert Meditation." Deshalb nennen wir uns "spirituell Praktizierende". Das bedeutet, dass ihr es immer wieder versucht. Manchmal versucht ihr es, und ihr schafft es; manchmal versucht ihr es, und ihr schafft es nicht. Aber wenn ihr Schwankungen unterworfen seid, dann werdet ihr, auch wenn ihr es dank Gottes Gnade schafft, ganz schnell wieder unten sein! Wenn ihr nicht schwankt, werdet ihr nicht wieder hinunterfallen, sogar wenn ihr in der Welt arbeitet. Wenn ihr nicht fest steht, dann nützt es nichts, auch wenn ihr in ein Kloster geht, auch wenn ihr auf den Berg geht, auch wenn ihr im Meditationszentrum lebt, sogar in der Gegenwart der Meisterin. Die Meisterin kann nicht für euch essen. Gerade eben habe ich euch Schokolade gegeben. Aber ihr seid es, die die Schokolade esst; ich kann sie nicht für euch essen. Ich habe eine Menge Schokolade gekauft. Aber sie ist nicht dazu da, dass ich sie allein aufesse. Wenn ich sie ganz aufesse, werdet ihr irgend etwas spüren? Wenn ich eine Menge Schokolade gekauft und alles gegessen habe, würdet ihr dann mich anschauen und sagen: "M-m-m, was für gute Schokolade!"? (Gelächter) Gibt es so etwas? Nein, nie.

Also muss ich euch die Schokolade geben. Aber wenn ihr sie nicht esst, dann spürt ihr auch nichts. Genau so ist es, wenn ihr in der Gegenwart der Meisterin seid, eure Konzentration aber nicht auf die Meisterin gerichtet ist, dann kann die Gnade nicht allzu sehr in euch eindringen. Vielleicht etwas davon, aber nicht viel. Auch, wenn ihr irgendwelche Vorbehalte habt, z.B. gewisse vorgefasste Meinungen darüber, was ein Meister tun sollte und wie ein Meister ausschauen sollte, dann baut ihr eine große Mauer um euch auf, die euch von der Gnade des Meisters trennt. Dann habt ihr sogar noch weniger, absolut.

Jeder muss seinen Aufstieg zu einer höheren Ebene selbst verdienen

Ihr erinnert euch an die Geschichte von Buddha: Er hatte einen Diener, den Er sehr liebte und der Ihm sehr nahe stand und Tag und Nacht mit Ihm zusammen war. Er hieß Ananda. Als Buddha starb, konnte er sich an jedes einzelne Wort erinnern, das Buddha gesagt hatte. So basieren fast alle Schriften Buddhas auf Erinnerungen von Ananda. Aber Ananda hatte nichts Großes erreicht; er kam nicht einmal bis zur Dritten Ebene. Deshalb verwehrte ihm nach dem Tode von Buddha die Gemeinschaft der Mönche oder das Sangha die Teilnahme an der Diskussion der Versammlung. Sie schlossen ihn von der Versammlung der Mönche, die die höhere Ebene erreicht hatten, aus. Da schämte er sich sehr, ging in eine Höhle und schloss sich dort einige Zeit ein, bis er die höhere Ebene erreicht hatte. Und dann luden ihn die Mönche zur Teilnahme ein.

Warum aber taten das die Mönche dem meistgeliebten Diener Buddhas an? Bedeutet das, dass die Mönche so hartherzig, so kaltherzig und so streng zu Ananda waren?

Praktizierender 1: Ich glaube, das sollte ihn schockieren und aufwecken.

M: Ja.

Praktizierender 2: Um ihn zu spiritueller Arbeit zu zwingen?

M: Ja, das ist auch wahr. Wer noch?

Praktizierender 3: Um eine Infizierung zu vermeiden?

M: Ja, auch das. Um eine Infizierung zu vermeiden! Das ist richtig. Wenn jemand nicht reinen Herzens ist und spirituell nicht hoch entwickelt, dann wird er die Versammlung damit infizieren. Das kommt der Wahrheit am nächsten. Aber es sollte ihn auch schockieren, damit er begreift, dass er arbeiten muss - ja, das ist normal. Denn während der Zeit, die er mit Buddha verbrachte, hat er nicht praktiziert. Er war Ihm zu nahe; er war der einzige Diener von Buddha. Deshalb hat er es nie zu einer höheren Ebene gebracht. Das ist der einzige Grund. Der Grund, den eine der Schwestern angab, dass er für seine spirituelle Entwicklung arbeiten sollte - auch das ist richtig. Die ganze Zeit, die er mit Buddha verbrachte, war er zu stolz, da er der einzige Diener des Buddha war, und er glaubte nicht, dass er irgendwie praktizieren müsse; deshalb tat er es nicht.

Auch besaß er ein übermenschliches Gedächtnis. Er konnte alles aufsagen von A bis Z, was Buddha gesagt hatte, auch mehrmals. Er wusste es noch Wort für Wort; er hatte nichts vergessen. Sogar, wenn Buddha einen Fehler machte, dass Er z.B. etwas wiederholte oder sich räusperte, dann konnte sich Ananda auch an all das erinnern. Deshalb sind die Buddhistischen Schriften sogar heute noch nicht gut editiert, sondern nur genau so aufgeschrieben, wie Buddha gesprochen hatte. Deshalb lest ihr sie manchmal und findet es etwas ermüdend, wie Buddha den gleichen Satz immer wiederholte oder etwas so ausführlich erklärte, damit die Schüler es verstehen würden einfach genau so, wie Er redete.

In allen Schriften Buddhas steht am Anfang: "So habe ich es gehört ..." Das ist so, weil es so niedergeschrieben ist, wie es Ananda gehört hatte. Sogar so ein wichtiger Mensch wie Ananda war fast wie ein Aufnahmegerät. Sein Gedächtnis war so super wie z.B. heute ein Computer oder ein Aufnahmegerät. Aber wenn es sich auch um so eine wichtige Person wie ihn handelte, schlossen ihn die Mönche der Versammlung oder der Gemeinschaft des Heiligen Buddha von der Versammlung aus, weil seine Ebene nicht hoch genug war. Auch wenn er wichtig war, war er doch nicht gut genug.

Ihr seht also, wie wichtig spirituelle Erhebung ist. Nicht wer ihr seid zählt, sondern was ihr seid. Und nicht nur was ihr seid, sondern was ihr in eurem Innern seid. Das ist das Wichtigste im Leben. Das wichtigste im Leben ist, was ihr innerlich seid. Jetzt versteht ihr, was das Wichtigste im Leben ist, nicht wegen Ananda und nicht wegen Buddha, sondern wegen euch selbst. Denn wenn wir sterben, haben wir nichts! Wirklich, so ist es, ich brauche es euch nicht zu sagen. Ihr wisst das alles. Aber ihr habt es nicht verinnerlicht; das ist der Grund, warum ihr eure wichtigste Mission im Leben vernachlässigt.

Von Anandas Fall könnten wir auch noch etwas anderes lernen: die Lektion der Demut. Wir müssen uns immer wieder überlegen, ob wir genug Demut haben, damit wir mehr davon entwickeln können. Denn nur wenn etwas leer ist, können wir etwas hineinfüllen. Wenn das Glas leer ist, dann könnt ihr Wasser hineinfüllen; wenn das Glas aber voll ist, geht nichts hinein. Das Glas kann voll Wasser sein oder voll Müll. Wenn das Wasser schon voller Müll ist, dann gießen wir kein Wasser hinein. Das Beste wäre, wenn wir im Glas das hätten, was wir uns wünschen, anstatt diesen Müll. Genauso sollten wir unser Leben, unser Wesen und unseren Verstand mit den allerbesten, spirituell wertvollen Dingen anfüllen, denn wir könnten es auch mit allerlei Unsinnigem, Nutzlosen und für unser Wesen und unsere Entwicklung Schädlichem füllen.

Das Alltagsleben als spirituelle Praxis

Jeden Tag sollten wir sicher gehen, dass wir uns möglichst mit dem allerbesten füllen, genau so, wie wir jeden Tag versuchen, die beste Nahrung für unseren Körper auszuwählen. Jedes Mal, wenn ihr etwas Gutes esst, müsst ihr daran denken: "Ich muss auch etwas Gutes in meine Seele, in meine Entwicklung investieren." Ihr könnt also auch während des Essens praktizieren. Wenn ihr hübsche Kleider anzieht, solltet ihr daran denken: "Ich muss mich auch mit spiritueller Pracht schmücken." Jedes Mal, wenn ihr wunderschöne Blumen seht, könnt ihr sagen: "Ich muss auch meinen spirituellen Garten kultivieren." Bei ähnlichen Dingen denkt immer daran. Wenn wir die Vögel singen hören und es so angenehm und bequem haben, müssen wir auch daran denken. Wir sollten nie das Wort Gottes vergessen. Und wenn ihr in einer romantischen Beziehung bis über beide Ohren verliebt und glücklich seid, solltet ihr auch sagen: "Ich muss auch an die Liebe Gottes denken, die ewig währt, die die echte Liebe ist." Aber wenn ihr das nicht auseinander halten könnt, dann müsst ihr euch daran erinnern: "Ja, ich will versuchen, daran zu denken; ich werde etwas tun, so dass ich die Beziehung zwischen mir und Gott gedeihlicher, romantischer und vertrauter gestalten kann."

Jedes Mal, wenn ihr eure Kinder liebt, müsst ihr daran denken, wie Gott uns wirklich liebt und auch eure Kinder. Das ist die echteste und größte Liebe für jeden. Und jedes Mal, wenn eure Haustiere euch lieben, und ihr eure Haustiere liebt, oder ihr eure Haustiere streichelt, oder eure Haustiere mit euch schmusen, solltet ihr auch daran denken, dass dies ein Teil der Liebe Gottes ist, und dass nur Gottes Liebe wirklich echt und allumfassend ist. Ihr seht also, wir können jede Situation nutzen, um uns daran zu erinnern, den spirituellen Pfad, für den wir uns entschieden haben, nicht zu vergessen. Auf diese Weise mobilisieren wir ständig unsere Kräfte während dieses weltlichen Daseins auf der Erde, damit wir ständig mit unseren Gedanken bei Gott sind. Es ist immer das Gleiche.

Was die Praxis anbelangt, so kann keiner über Nacht Meister werden, nicht einmal Ananda. Lasst euch also nicht entmutigen. Wir müssen einfach aufrichtig sein und die ganze Zeit praktizieren. In Gegenwart der Meisterin könntet ihr euch schneller entwickeln, aber es kommt darauf an, wie aufnahmebereit ihr seid und wie rein. Es ist wie mit dem Glas: Wenn es voll Mist ist, dann passt nichts anderes mehr hinein, oder vielleicht nur sehr wenig.